Kolumne

Ausgabe 159 / Mai 2017

Goodbye, Tom Boonen

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Aus und vorbei. Am 9. April endete die Karriere eines der erfolgreichsten Klassikerfahrer seiner Generation. 16 Jahre lang hat Tom Boonen die Radsportwelt geprägt.

Auch wenn er bei seinem Lieblingsrennen, Paris–Roubaix, den erhofften fünften Sieg nicht mehr einfahren konnte – bei keinem Fahrer war der Jubel bei der Einfahrt ins Vélodrome André Pétrieux so groß wie bei „Tommeke“. In seiner langen Kariere hat Boonen nicht nur unzählige Siege gefeiert, sondern auch etwas geschafft, das noch viel wichtiger ist, als nur zu gewinnen: Er hat sich in die Herzen der Fans gefahren. Die „Hölle des Nordens“ war eines der ersten Rennen, die ich abseits der Tour de France im Fernsehen verfolgt habe. Ich war damals ein Teenager, und während ein gewisser Johann Museeuw seinen dritten Roubaix-Triumph feierte, staunte die Radsportwelt über die Leistung des erst 21-jährigen belgischen Youngsters Tom Boonen, der Dritter wurde. Ich ahnte damals noch nicht, dass dieser Tom Boonen eines Tages meine Wege beruflich kreuzen würde, doch als ich mich  2007 dazu entschloss, Radsportjournalist zu werden, war er als Weltmeister, mehrfacher Klassiker- und Tour-Etappensieger bereits einer der größten Fahrer seiner Zeit. Für Boonen waren die späten 2000er-Jahre dabei die vielleicht schwierigste Phase seiner Karriere. Kokain-Affären und zu Schrott gefahrene Sportwagen brachten ihm viel Kritik ein – sie zeigten jedoch auch seine Menschlichkeit. Gerade diese Emotionalität, gemischt mit seinem bis zuletzt sichtbaren Erfolgshunger, führte dazu, dass seine Beliebtheit bei den Fans trotz seiner Fehltritte immer ungebrochen war. Bis zuletzt war Boonen dabei auch einer der Fahrer, die wir Journalisten gerne interviewen: stets professionell, offen und äußerst humorvoll. Ein Sportsmann und Charakterkopf. Einer, der dem Peloton ganz gewiss fehlen wird.

Danke, Tommeke, für 16 tolle Jahre!
 
Werner Müller-Schell
Redaktion
 

Procycling - Ausgabe 159 / Mai 2017



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