Kolumne

Ausgabe 108 / Februar 2013

Der erste Test

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Zu allererst freue ich mich, dass ich an dieser Stelle in Zukunft wieder öfter über meinen Rennalltag berichten werde und euch so einen Einblick in meinen Saisonverlauf geben kann. Gerade sitze ich am Flughafen in Amsterdam und warte auf meinen Anschlussflieger nach Australien. In knapp zwei Wochen werde ich dort bei der Tour Down Under meinen Saisoneinstand geben – eine gute Gelegenheit also, einmal den Winter Revue passieren zu lassen und auf die kommende Zeit auf der Südhalbkugel vorauszublicken.

Nach der erfolgreichen letzten Saison blieb ich in Sachen Training meiner alten Linie treu. Dieses Mal konnte ich in der Heimat sogar noch besser an meiner Form feilen, da die Witterungsbedingungen hier in der Schweiz bisher nicht allzu kalt waren. Den letzten Feinschliff holte ich mir dennoch mit zwei Trainingslagern im Süden. Auch wenn der Winter zu Hause verhältnismäßig warm war, so wollte ich mit dem Wetter einfach kein Risiko eingehen. Mitte Dezember ging es daher mit dem Team nach Spanien. Dort standen – wie zu dieser Jahreszeit üblich – vor allem Grundlageneinheiten auf dem Programm. Allerdings übten wir auch schon mit unserem Sprintzug. Im Finale muss schließlich jeder Ablauf genau stimmen, sodass wir beim Auftakt in Australien gute Voraussetzungen besitzen, die ersten WorldTour-Punkte einzufahren. Nach der offiziellen Teampräsentation am 19. Dezember in Hasselt verbrachte ich dann die Feiertage wieder mit meiner Familie, mit der ich auch Anfang Januar in mein zweites Trainingscamp nach Mallorca aufbrach.

Dass wir schon zwei Wochen vor dem Start der Tour Down Under nach Australien reisen, ermöglicht uns eine stressfreie Vorbereitung. So können wir das warme Klima auf der Südhalbkugel ausgiebig nutzen und entsprechend trainieren. Doch nicht nur wegen der guten Bedingungen im Vorfeld ist die Tour Down Under immer einen Besuch wert – auch das Rennen selbst erweist sich immer als ein optimaler Saisoneinstieg. Zum einen dauert es nicht allzu lange, und zum anderen gibt es keine stressigen Transfers zwischen den Tagesabschnitten.

Auch in Sachen Konkurrenz hat das Etappenrennen einiges zu bieten: Während die Tour Down Under für die meisten Sportler früher nur ein lockerer Saisonauftakt war, geht es hier mittlerweile um wichtige WorldTour-Punkte. Kein Team überlässt deshalb etwas dem Zufall. Von daher bin ich mir auch sicher, dass die Anzahl der Gegner entsprechend groß sein wird und wir viele spannende Sprints erleben werden. Die vorläufige Starterliste verspricht ja schon mal einiges: Neben meinem Nationalmannschaftskollegen Marcel Kittel sollen unter anderem auch der Norweger Edvald Boasson Hagen und der Australier Mark Renshaw, der bei seinem Heimrennen besonders motiviert sein dürfte, am Start stehen.

Unser Team wird dabei vor allem auf den flachen Abschnitten zu beachten sein. Mit Adam Hansen, Greg Henderson, Oliver Kaisen, Jurgen Roelandts, Marcel Sieberg und mir bringen wir das typische Tour-de-France-Sprint-Team an den Start. Mit Tim Wellens haben wir zudem noch einen bergfesten Profi in unseren Reihen. Er wird besonders bei den beiden Hügeletappen auf Ergebnis fahren und unser Mann für das Gesamtklassement sein. Ich persönlich rechne mir aufgrund des im Vergleich zu früheren Jahren schwereren Profils leider nicht so viele Chancen auf eine vordere Platzierung in der Endabrechnung aus. Sollte es aber um Etappensiege im Sprint gehen, dann werde ich alles geben, um
zur Stelle zu sein!
 
André Greipel ist seit 2005 als Berufsfahrer im Peloton unterwegs und zählt zu den schnellsten Sprintern der Welt. Seit 2011 trägt der Rostocker das Trikot der belgischen Lotto-Belisol-Mannschaft.
 

Procycling - Ausgabe 108 / Februar 2013



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