Kolumne

Ausgabe 105 / November 2012

Herbstliche Highlights

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Endlich klappt das Siegen wieder! Nachdem es zuletzt nicht so richtig funktionieren wollte, tat mir der September richtig gut. Ich fuhr fast ausschließlich Eintagesrennen und konnte bald wieder in die Erfolgsspur zurückfinden.

Nach Platz drei beim GP de Fourmies in Frankreich gewann ich das belgische Eintagesrennen Omloop van het Houtland und entschied im Anschluss noch zwei Tagesabschnitte beim Circuit Franco-Belge, einem Etappenrennen im belgisch-französischen Grenzgebiet, für mich. Der Knoten platzte dabei eindeutig in Houtland: Nach einem harten Rennen mit vielen Windkantensituationen und einer äußerst gefährlichen Zielkurve mit einigen Stürzen kam ich in einer guten Position auf die Zielgerade. In einer kleinen Senke vor dem Ziel konnte ich dann den Schwung voll mitnehmen und am Ende reichte es. Da macht Radfahren doch wieder Spaß! Ich glaube, dass dieser Sieg nach der Durststrecke ein richtiger Durchbruch für mich war. Meine Form war ja in den letzten Wochen nicht schlecht, aber irgendwie fehlte immer das letzte Quäntchen. Aus diesem Grund tat mir dieser Erfolg besonders gut. Er brachte mich wieder zurück in die Spur – vorerst zumindest.

Die Rückreise in die Heimat trat ich nämlich nicht nur mit einem Siegerpokal in der Tasche an. Schon während des Rennens merkte ich, dass ich mich gesundheitlich angeschlagen fühlte. Im Flieger kränkelte ich dann richtig und so ging es zu Hause erst einmal darum, wieder gesund zu werden. Ein paar Tage musste ich komplett mit dem Training aussetzen und ein paar weitere Tage lang waren nur lockere Einheiten möglich. Mit entsprechend gedämpften Erwartungen reiste ich also zum Start des Circuit Franco-Belge.

Bei der viertägigen Rundfahrt entpuppten sich meine Beine allerdings als erstaunlich gut. Nach einem regnerischen und hektischen Auftakt, bei dem wir leider keine Rolle spielten, lief es auf dem zweiten Tagesabschnitt deutlich besser. Auch hier machte starker Wind das Rennen schwer, aber meine Jungs hielten mich aus allen Schwierigkeiten heraus. Auch den Mont Rouge, einen kleinen, giftigen Anstieg auf der Zielrunde, bewältigte ich mit Hilfe meiner Mannschaftskameraden im Feld, sodass ich perfekt vorbereitet in den Sprint gehen konnte. Mit Erfolg: Vor Nacer Bouhanni sicherte ich mir meinen elften Saisonsieg. Und weil es so schön war, wiederholten wir das Ergebnis auf der nächsten Etappe direkt noch einmal. Dreimal Erster innerhalb von elf Tagen – Belgien scheint heuer wirklich ein gutes Pflaster für mich zu sein.
 
So langsam neigt sich die Saison nun ihrem Ende entgegen. Im Gegensatz zu meiner Ankündigung in der letzten Kolumne werde ich mein Jahr allerdings nicht wie geplant bei der Peking-Rundfahrt beenden. Der Grund hierfür sind die politischen Spannungen zwischen Japan und China, die derzeit in Asien für Unruhe sorgen. Unsere Mannschaft entschied sich aufgrund der zu erwartenden Sicherheitsbedenken dort nicht an den Start zu gehen. Von außen fällt es mir schwer, die Situation zu beurteilen. Ich hoffe nur, dass es bei den anderen teilnehmenden Mannschaften nicht zu einem Zwischenfall kommt.

Die Absage der China-Reise wirkt sich natürlich auf mein Rennprogramm aus. Der Münsterland-Giro am 3. Oktober und das belgische Eintagesrennen Putte-Kapellen am 9. Oktober sind damit meine letzten Einsätze in diesem Jahr. Klar, dass ich bei diesen beiden Events an meine jüngsten Erfolge anknüpfen will – motiviert bin ich auf jeden Fall. Und als Titelverteidiger habe ich vor allem an das Münsterland sehr schöne Erinnerungen [Anm.d.Red.: Kittel gewann auch das Rennen 2012]. Nichtsdestotrotz freue ich mich schon auf die Winterpause. Die Saison war sehr lang – es wird Zeit, die Beine hochzulegen.
 
Marcel Kittels Profi-Karriere startete Anfang 2011 bei Skil-Shimano. Mit 17 Siegen war der 24-Jährige aus Arnstadt erfolgreichster deutscher Sprinter der vergangenen Saison.
 
 

Procycling - Ausgabe 105 / November 2012



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