Kolumne

Ausgabe 109 / März 2013

Auftakt nach Maß

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Vier Siege zum Einstand – einen solchen Jahresbeginn wünscht sich sicherlich jeder Fahrer im Peloton. Natürlich hatte ich mir im Vorfeld der Tour Down Under zumindest einen Tageserfolg zum Ziel gesetzt, war das Rennen doch schon immer eines, das meinen Fähigkeiten entgegenkam. Dass unser Auftritt auf der anderen Seite der Welt allerdings so erfolgreich laufen würde, konnte niemand erwarten.

Mein Team und ich waren selbst überrascht, dass wir die Sprints derart dominierten. Der Sieg auf dem letzten Abschnitt in Adelaide war übrigens mein 100. Erfolg als Profi. 

Unsere Reise nach Australien startete bereits am 10. Januar. Wir nutzten die ersten Tage, um uns zu akklimatisieren und den Jetlag zu überwinden. Im Anschluss ging es dann darum, gemeinsam als Mannschaft zu trainieren und die wichtigsten Etappenabschnitte zu besichtigen, ehe am 20. das mittlerweile schon traditionelle Tour Down Under Classic, ein 51-Kilometer-Kriterium, auf dem Programm stand. Gerade die Kürze ist es, die dieses Rennen so schwer macht: Zum einen wird unglaublich schnell gefahren, zum anderen sind alle Fahrer noch frisch und beim ersten Rennen des Jahres immer besonders motiviert. Meine Mannschaft leistete allerdings hervorragende Arbeit und die Konkurrenz wurde teilweise schon aus dem Windschatten heraus abgehängt. Entsprechend gut vorbereitet ging ich auf die Zielgerade und konnte so gleich im ersten Rennen meinen ersten Saisonerfolg verbuchen. Dieser Sieg verschaffte uns auf Anhieb den Respekt der anderen Teams, sodass wir unser Sprint-Vorbereitungsprogramm auf den folgenden Etappen weitestgehend ungestört durchziehen konnten. Diese perfekte Mannschaftsarbeit und meine im Wintertraining verbesserte Explosivität waren auch die Faktoren für die weiteren Tageserfolge in Australien.
 
Ein Spaziergang war die diesjährige Tour Down Under trotz der vier Siege dennoch nicht: Gerade der dritte Abschnitt nach Stirling bleibt mir in Erinnerung: Mit ihrem welligen Profil und der ansteigenden Zielgeraden war die Etappe für Sprinter zu schwer, für Bergfahrer zu leicht und auch für Allrounder nicht so das Wahre. Dazu kamen die extremen Temperaturen von 44 Grad – eine Gluthitze! Trotzdem versuchten wir, etwas auf die Beine zu stellen. Auf den letzten Metern verließen mich allerdings die Kräfte. Die Niederlage in Stirling soll den Auftritt bei der TDU allerdings nicht schmälern: Wir können als Mannschaft wirklich sehr zufrieden sein. Klar – Potenzial nach oben gibt es immer. Jeder Einzelne von uns hat noch Baustellen. Aber das ist normal. Man darf nicht vergessen, dass wir erst am Anfang der Saison stehen und jeder daher noch Luft haben sollte. Auch bei den anderen Fahrern läuft es noch nicht immer rund: So hätte ich mir beispielsweise mehr von Marcel Kittel erwartet. Er hatte ein paar Probleme. Aber das erste Duell mit ihm kommt bestimmt.

Wenn ihr diese Kolumne lest, ist die Tour Down Under natürlich schon wieder Geschichte und ich habe auch schon die zweite Rundfahrt des Jahres in den Beinen: So startete ich Anfang Februar zum ersten Mal in meiner Karriere bei der Tour Méditerranéen. Eigentlich wollte ich wieder auf das bewährte Programm bei der Algarve-Rundfahrt zurückgreifen – da deren Austragung aber sehr unsicher war, entschieden wir uns für das Etappenrennen an der Mittelmeerküste. Sie war gleichzeitig mein letztes Vorbereitungsrennen auf den Halbklassiker Kuurne - Brussel - Kuurne. Dort hoffe ich dann, ein Wörtchen um den Sieg mitreden zu können. Vielleicht kann ich euch beim nächsten Mal ja wieder so viel Positives berichten.
 
André Greipel ist seit 2005 als Berufsfahrer im Peloton unterwegs und zählt zu den schnellsten Sprintern der Welt. Seit 2011 trägt der Rostocker das Trikot der belgischen Lotto-Belisol-Mannschaft.

Procycling - Ausgabe 109 / März 2013



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