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Ausgabe 156 / Februar 2017

Von wegen Radsport-Rentner

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Kein anderer prägte die Fluchtgruppen bei der Tour der France so sehr wie er, kein anderer fuhr sich mit seinen Attacken so ins Herz der Fans. Es gibt nicht wenige, die sagen, dass dem Radsport etwas verloren ging, als Jens Voigt 2014 seine Karriere beendete. Ein Hausbesuch zwei Jahre danach.

Der Tag beginnt direkt mit Action. Erst Kindergarten, dann Schule – die morgendliche Runde. „Sechs Kinder, zwei Hunde, eine Katze, neun Kaninchen – bei uns ist jeden Morgen ganz schön was los“, lacht Jens Voigt, als er an einem verregneten Dezembermorgen die Türe seines Hauses im Berliner Westend öffnet. Schlabberhose, verwaschenes Shirt, Bartstoppeln. Journalisten lasse er selten hinein, wegen der Privatsphäre. „Die Familie ist für mich so etwas wie mein Rückzugsort“, erzählt er. Im Flur hängen Porträts aller Kinder. Die Jüngste ist sechs, der Älteste 21. „Gerade ist aber niemand da. Sturmfrei“, lacht Voigt und verabschiedet sich direkt ins Obergeschoss. Er müsse schnell das T-Shirt wechseln – wegen der Sponsoren. Mit einem Grinsen kehrt er nach kurzer Zeit zurück. „Shut Up Legs“ prangt nun in roter Schreibschrift auf seiner Brust – der Spruch, der ihn weltberühmt gemacht hat. Es ist ein T-Shirt seiner Kollektion aus dem „Shut Up Legs“-Online-Shop – eines der vielen Projekte im Leben des vermeintlichen Radsport-Renters Jens Voigt. Vermeintlich deshalb, weil er drei Jahre nach dem Ende seiner Laufbahn eigentlich mehr beschäftigt sei denn je, sprudelt es aus ihm heraus. Schon in den ersten Minuten wird klar: Der Ex-Profi ist genauso quirlig wie zu seiner aktiven Zeit, innerhalb weniger Minuten erfährt man so viel wie bei manch anderen in mehreren Stunden nicht.

Neben dem Betreiben des Online-Shops arbeitet er als Testimonial für die Kalifornien-Rundfahrt und die Tour Down Under und veranstaltet mit „The Jensie Gran Fondo“ einen Radmarathon in Kalifornien. Kürzlich veröffentlichte er gemeinsam mit dem Radsportjournalisten James Startt seine Biografie. Der Titel – wie kann es anders sein: Shut Up Legs. Für den amerikanischen Fernsehsender NBC kommentiert er zudem die Tour de France und außerdem ist er auch noch Markenbotschafter für Trek. Gerade komme er von einem Event des US-Radherstellers aus Südamerika zurück, berichtet er, während er einen Teller mit Plätzchen auf den großen hölzernen Tisch im Esszimmer stellt. „Ein paar Tage Chile, dann Brasilien. Ein Rennen bin ich da auch mitgefahren – aber die kurze Strecke. Und es ging nicht um das Ergebnis“, lacht er. Fit scheint Voigt allerdings noch immer zu sein: Die Wangen sind schlank wie eh und je, nur der Bart ist etwas länger als früher. 5.000 Kilometer schaffe er noch im Jahr. „Das ist eigentlich viel zu wenig. Aber ich habe nicht mehr Zeit.“ Der Berliner überlegt kurz und beginnt seine Reisen im Jahr 2016 aufzuzählen. Dreimal war er in Australien, zweimal in Kanada, achtmal in den USA und einmal in Südamerika. Manchmal müsse er nur für vier Tage nach Übersee fliegen. „Freitag Anreise, abends schon ein Vortrag bei einem Event, am nächsten Tag dann zehn Stunden im Sattel, abends wieder Fanprogramm und dann geht es meist schon heim.“ Über den Jahreswechsel verbringt er nun aber vier Wochen komplett zu Hause. „So lange am Stück daheim war ich seit meiner aktiven Zeit nicht mehr.“ Die Reisen, die Strapazen, der Stress – er müsse das alles nicht machen, aber es mache ihm Spaß, betont er. Der Grund: die Fans. „Jeder Fan ist irgendwo dein Chef. Jeder, der beispielsweise ein Trek-Fahrrad fährt, zahlt einen Teil meines Gehalts. Da ist es das Mindeste, dass ich auf Events ,Hallo‘ sage und ein Autogramm gebe“, erklärt er. „Was wäre die Champions League ohne Zuschauer? Die Fans sind ein essenzieller Teil des Sports. Sie geben uns die Chance, groß zu sein. Ohne Fans hätte ich meine Karriere nicht gehabt.“
 
Ein Spätzünder aus der Provinz
Eine Karriere, die ihren Anfang vor 35 Jahren nimmt. Wie fast alle Jungs in Grevesmühlen, einem kleinen Ort nicht weit von der Ostseeküste entfernt, habe er Fußball gespielt. Wie die meisten Radsportler mit mittelmäßigem Erfolg. „Da war ich einfach nicht gut genug, das war frustrierend“, erinnert er sich. Bei einer Talentsichtung in der damaligen DDR erweist sich der Schüler Jens Voigt dagegen „als äußerst talentiert im Ausdauersport“. Ein Radverein stellt ihm ein Rennrad zur Verfügung, drei Wochen später gewinnt er sein erstes Rennen. „Das Rad bedeutete damals für mich Freiheit. Mein Aktionsradius hat sich plötzlich verzehnfacht. Natürlich bin ich dann dabei geblieben.“ Mit 13 qualifiziert er sich für die Kinder- und Jugendsportschule Ernst Grube in Prenzlauer Berg, ab 1984 wohnt er dort im Internat. Fern von den Eltern und den beiden Geschwistern, ist er früh auf sich allein gestellt. Der Umgang ist rau. Voigt ist ein Spätentwickler, lange kleiner als die anderen. „Die Älteren kamen schon mal her und wollten, dass ich ihr Rad putze. Entweder hast du das eben gemacht oder du hast die Fäuste hochgerissen. Kratzer, blaue Augen, ausgerissene Haare waren an der Tagesordnung“, lacht er. Schon damals hilft ihm sein lockeres Mundwerk – das Sprücheklopfen, das ihn einmal berühmt machen, die Schlagfertigkeit, die ihn zu einem der meistgefragten Interviewpartner im Peloton machen sollte. Zu Voigts Schulkameraden zählen unter anderem seine späteren Profikollegen Jan Schaffrath und Erik Zabel. „Schaffi habe ich bei den Prüfungen oft abschreiben lassen. Der war damals der König, hat alles gewonnen – egal, ob auf der Bahn und der Straße. Wir sind heute noch gut befreundet. Sowohl bei ihm als auch bei Ete war ich auf der Hochzeit, sie waren beide bei mir.“

Während Schaffrath und Zabel nach dem Ende ihrer Nachwuchszeit allerdings beim frisch gegründeten Team Telekom unterkommen, verläuft die Karriere des Berliners mit Umwegen. Voigt zieht sein iPhone aus der Tasche und scrollt durch den endlosen Fotostream seines Smartphones. Einer, der so viel unterwegs ist wie er, schieße eben auch viele Bilder, witzelt er. Er stoppt bei einem Foto aus dem Jahr 1994: ein Mannschaftsbild von einer Rundfahrt in Australien. Direkt neben ihm: Jan Ullrich. Voigt ist zu dieser Zeit auf dem Höhepunkt seiner Amateurkarriere: Er gewinnt die Friedensfahrt und den Gesamt-Weltcup, auch den amtierenden Amateurweltmeister Ullrich schlägt er oft. „Ich habe Telekom auf Knien angebettelt, dass sie mich nehmen – aber die haben mich nicht mit der Kneifzange angefasst.“ Er schüttelt den Kopf. Bis heute versteht er nicht, warum ihn die deutsche Vorzeigemannschaft nicht wollte. „Im Laufe der Zeit habe ich Dutzende Kollegen gesehen, die es nicht verdient hatten, Profi zu sein. Aber die kannten jemanden. Ich kannte aber niemanden – vielleicht war das das Problem.“ Erst mit 25 unterschreibt er seinen ersten Vertrag. „Wenn ich nicht in eine große Mannschaft kann, dann gehe ich eben in eine kleinere Mannschaft. Aufgeben wollte ich nicht“, erinnert er sich. Die tschechisch-australische ZVVZ-Mannschaft nimmt den quirligen Deutschen unter Vertrag, der dankt es mit Siegen bei der Niedersachsen- und der Sachsenrundfahrt. Als die kleine Equipe zum Jahresende allerdings aufgelöst wird, steht er wieder auf der Straße. Telekom will Voigt noch immer nicht, also greift er zu unkonventionellen Mitteln: „Ich habe Bewerbungsmappen erstellt – 25 schöne Radsportfotos von mir, meine Erfolge, meine Ziele – und alles von einer Sprachschule ins Französische und Englische übersetzen lassen.“ Voigt schreibt die besten 30 Teams jener Zeit an. „Geantwortet haben aber nur drei: Festina, dass sie voll sind und mir viel Glück wünschen, Rabobank das Gleiche – und eben Crédit Agricole.“
 
Crédít Agricole: Start in Frankreich
Voigt unterschreibt in Frankreich – für 32.000 D-Mark Brutto-Jahreslohn. „Ich hätte auch bei der zweitklassigen deutschen Agro-Adler-Mannschaft für das Dreifache fahren können. Leichtere Rennen, mehr Siege, weiterhin in Berlin wohnen – aber das wollte ich nicht. Ich wollte in die erste Liga“, sagt Voigt. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht, als er sich an sein „erstes richtiges Profijahr“ erinnert. „Meine Frau meinte, ich solle das unbedingt machen. Also haben wir die Wohnung aufgegeben, sie ist mit unserem ältesten Sohn Mark zurück zu ihren Eltern gezogen und ich habe meinen Opel Astra vollgepackt und bin die 1.800 Kilometer nach Toulouse gefahren.“ Zuerst lebt er im Gästezimmer des Australiers Stuart O’Grady, heute zusammen mit Voigt und George Hincapie Rekordstarter bei der Tour de France, später gemeinsam mit zwei anderen Jungprofis in einer Haus-WG. Voigt etabliert sich sofort im Peloton. 1998 gewinnt er unter anderem eine Etappe bei der Baskenland-Rundfahrt und bestreitet seine erste Tour de France. Auf der neunten Etappe von Montauban nach Pau über 210 Kilometer wird der 26-Jährige nach langer Flucht Zweiter und fährt ins Bergtrikot. Zeitweise stiehlt der Tour-Debütant sogar den bereits etablierten Größen Jan Ullrich und Erik Zabel die Show. Es ist späte Genugtuung, als sich im Sommer auch Team Telekom bei ihm meldet. „Da wollten sie mich auf einmal doch. Aber dann wollte ich nicht mehr“, sagt er trotzig. „Ich habe mich bei Crédit Agricole wohlgefühlt und wollte bleiben.“ Die Franzosen danken ihm die Treue mit einem besseren Vertrag. „1999 konnte ich mir schließlich ein eigenes Haus mieten. Dann kam auch meine Frau mit dem Nachwuchs nach Frankreich.“

In seinem Debütjahr wird Voigt allerdings auch mit einem Thema konfrontiert, das ihn Zeit seiner Karriere begleiten sollte: Doping. 1998 überrollt die Festina-Affäre den Radsport. Als die Tour de France den größten Skandal ihrer Geschichte erlebt, ist er gezwungenermaßen mittendrin. Die Staatsanwaltschaft führt mehrere Razzien in den Mannschaftshotels durch, das Fahrerfeld macht Sitzblockaden. „Ich glaube heute, dass der Sport danach sauberer war – zumindest für kurze Zeit. Meine Ergebnisse waren in den Jahren danach besser“, meint er, schränkt gleichzeitig aber auch ein. „Bis Lance kam. Bei Paris–Nizza habe ich 1:30 Minuten auf gewisse Fahrer verloren, bei der Tour dann auf einmal 15 – das konnte nicht sein. Ich befürchte also, dass es eine gewisse Korrelation zu gewissen Dingen gibt.“ Vorerst steuert aber auch Voigt auf den Höhepunkt seiner Karriere zu. Aus Fluchtgruppen ist er bald nicht mehr wegzudenken, als ewiger Ausreißer entwickelt er sich zum Publikumsliebling. 2001 etwa, als er bei der Tour nach langer Flucht auf der ersten Bergetappe am französischen Nationalfeiertag ins Gelbe Trikot schlüpft und wenig später zum ersten Mal eine Etappe beim größten Radrennen der Welt gewinnt. „Ich verstehe das heute schon, wie das für Außenstehende gewirkt haben muss: Der Voigt fährt die Tour, manchmal in einer Kategorie mit Lance – der muss dabei gewesen sein. Aber das Leben ist nicht schwarz-weiß: Nicht alle Deutschen fahren schnell Auto und es lügen auch nicht alle Politiker. Verallgemeinerungen machen Sinn, aber deshalb müssen sie noch lange nicht stimmen.“
 
CSC: Erfolgreiche, aber dunkle Jahre
Besonders, als er 2004 zur dänischen Mannschaft CSC wechselt, mehren sich die kritischen Stimmen. Im Team von Riis feiert Voigt die größten Erfolge seiner Laufbahn. 2005 wird er Zweiter bei Lüttich–Bastogne–Lüttich, bei der Tour schlüpft er erneut ins Gelbe Trikot. Bei der Frankreich-Rundfahrt 2006 gewinnt er aus einer ursprünglich fünfköpfigen Ausreißergruppe heraus die 13. Etappe von Béziers nach Montélimar. Nur wenige Wochen später wird er zum ersten Mal Gesamtsieger der Deutschland-Tour. Er, der so lange Radprofi war, erlebt seinen Karrierehöhepunkt ausgerechnet dann, als der Radsport seine größten Skandale meistern muss. Voigt fällt es merklich nicht leicht, über das Thema zu reden. Unruhig knetet er seine Hände und rutscht auf seinem Stuhl hin und her, vor jedem seiner Sätze überlegt er besonders lange, starrt auf den Teller mit Plätzchen in der Tischmitte – ungewöhnlich für den sonst so wortgewandten Sportler, den man aufgrund seiner Redefreudigkeit sonst fast bremsen muss. Er will nichts sagen, was ihm später falsch ausgelegt werden könnte – das spürt man. Im Sommer 2006 ist die Operación Puerto rund um den spanischen Frauenarzt Fuentes in vollem Gange. Basso, Mancebo, Ullrich – die Tour-Helden der damaligen Zeit fallen reihenweise. Voigt nicht. In seiner ganzen Karriere wurde er nie positiv getestet. Er wird wütend, gerät sichtlich in Rage. „Meine Frau brachte damals
die Kinder zur Schule, als sie der Schuldirektor fragte: Frau Voigt, bei ihrem Mann ist das aber nicht so, oder?“ Voigt pausiert kurz, schüttelt verständnislos den Kopf. „Ey, das geht zu weit!“, wütet er. „Die dummen Doper!“ Auch heute bekomme er die D-Frage noch oft gestellt. „Aber Leute, ich habe nie eine Tour gewonnen. Und ich habe auch nie eine sportliche Leistung erbracht, die unerklärbar ist. Natürlich tut das jedes Mal weh!“ Voigt wirkt aufgewühlt, das Thema berührt ihn emotional sehr.

Nur wenige Monate nach dem Fuentes-Skandal wird Voigt zum Sprecher der Fahrervereinigung CPA gewählt. Eine besondere Ehre, die zeigt, wie sehr er von seinen Kollegen respektiert wird. Aber er steht im Zwiespalt. Auf der einen Seite ist seine sportliche Familie, das Peloton, auf der anderen drückt die schwelende Dopingwelle. Er muss seine Freunde und Fahrerkollegen schützen, gleichzeitig aber als Fahrersprecher einen klaren Standpunkt beziehen – eine für ihn kaum lösbare Aufgabe, wie er meint. Seine Frau habe ihn damals wochenlang nicht lachen gesehen, erinnert er sich. „Einmal habe ich gesagt, dass man die Doper alle auf den Scheiterhaufen zerren und verbrennen solle. Drei Stunden später kam heraus, dass Ivan [Basso; Anm. d. Red.] auch positiv war – mein Teamkollege und Freund. Alle haben an mir gezerrt. Ich konnte nicht mehr.“ Voigt wirkt zu jener Zeit unsicher, lässt sich zu Aussagen hinreißen, die ihm viel Kritik einbringen. Als sich ein Reporter damals nach seinem Wissen über das Doping der Teamkollegen erkundigt, hält er ihm entgegen, dieser wisse doch auch nicht, ob die Arbeitskollegen abends koksen würden. Als Verantwortliche der Öffentlich-Rechtlichen einen Ausstieg aus der Tour erwägen, vergleicht er sie mit den Handelnden der DDR. Sein lockeres Mundwerk, seine Sprüche, die ihn so beliebt gemacht haben, treiben ihn plötzlich in die Enge: Heute gibt er zu: „Es gab Momente, an denen ich ans Aufhören gedacht habe. Viele andere Profis haben sich verweigert und sprachen einfach nicht mehr mit der Presse. Ich wollte und konnte das in meiner Rolle aber nicht, ich hatte ja immer einen klaren Standpunkt, hatte nichts zu verbergen. Manchmal kam ich mir vor, als würde ich auf einem Schlachtfeld stehen und von allen Seiten auf mich geschossen werden.“

Auch das Rennen-Fahren fällt ihm zu jener Zeit nicht leicht. „Im Fahrerfeld hattest du ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. Viele haben mir auf die Schulter geklopft: Mensch Jens, toll, dass du das gesagt hast. Das musste mal gesagt werden. Dann gab es aber auch die, die mich am liebsten vom Rad gezerrt hätten. Halt doch endlich die Klappe, hieß es dann“, verweist er besonders auf einige spanische und italienische Fahrerkollegen. Namen will Voigt allerdings keine nennen. „Ich bin ein friedlicher Mensch. Den Ärger will ich mir sparen.“ Mit seinem Amateur-Freund Jan Ullrich – „Er war für mich das typischer Opfer, Lance war dagegen ein Täter“ – redet er zu jener Zeit kaum, erst Jahre später verbessert sich das Verhältnis wieder. „Ulle ist ein verdammt feiner Kerl, hatte aber oft die falschen Leute um sich. Da kommst du als junger Fahrer, hast Erfolg, kriegst aber trotzdem nur auf die Nase geschlagen, bist oft krank, hast Gewichtsprobleme – dann bist du anfällig. Man kann ihn jetzt aber nicht ewig dafür leiden lassen – man muss auch mal vergeben.“ Als Voigt 2007 zur Deutschland-Tour reist und erneut um den Gesamtsieg kämpft, überlegt der Berliner, freiwillig langsamer zu fahren und „lieber nur Vierter zu werden, statt zu gewinnen. Die dummen Fragen der Reporter – ich wollte das nicht mehr.“ Es sind nicht wenige, die nicht verstehen, wieso der Helfer Voigt plötzlich am Berg mit Größen wie Levy Leipheimer Schritt halten kann. „Als ich zum ersten Mal die Deutschland-Tour gewonnen habe, war ich davor 68. der Tour – da waren also 67 besser. Bei der D-Tour standen dann nur ein paar von den 67 am Start. Ich wäre also automatisch schon ganz weit vorne gewesen“, rechnet er vor. „Für viele Fahrer war die Rundfahrt auch einfach nicht so wichtig. Für mich war es aber mein Heimrennen, mein Jahreshöhepunkt. Vielleicht haben die anderen auch aufgehört mit dem, was sie vorher gemacht haben, vielleicht waren sie einfach müde von der Tour.“ Erst sein Sportlicher Leiter ermutigt ihn, sein Gelbes Trikot zu verteidigen. „Er meinte, dass ich gewinnen solle. Um Fragen kümmerten wir uns später.“

Procycling - Ausgabe 156 / Februar 2017


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